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Freiwilliges soziales Jahr in China – Bericht unseres ehemaligen Schülers Luca Fröhlich

Es ist genau zwei Jahre her, als ich mit der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in China war. Bei der Studienfahrt war ich beeindruckt und faszinierend zu gleich von diesem Land und hatte den Wunsch schon bald wieder zurück zu kehren. Da ich mich nach dem Abitur nicht sofort ins Studium stürzen sondern mich lieber sozial betätigen wollte, suchte ich eine Organisation mit der ich meine Wünsche verbinden konnte: Nach China zu gehen und  mich sozial zu engagieren.

Freiwilliges soziales Engagement in einer der ärmsten Regionen im Südwesten Chinas

Nach meiner Recherche fand ich eine Organisation, die Freiwillige aus Deutschland nach China entsendet, damit diese als Englischlehrer arbeiten. Die Organisation Jugend-im-Ausland hat ihren Sitz in Kiel und kooperiert mit dem Baumhausprojekt und KJSH (Stiftung für Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe).

Nach meinem Bewerbungsgespräch in Kiel und dem anschließenden Vorbereitungsseminar wurden dieses Jahr im September insgesamt 31 Jugendliche nach China in die südwestliche Provinz Yunnan (云南) entsendet. Yunnan ist einer der ärmsten aber auch gleichzeitig einer der spannendsten Provinzen Chinas. Von den 55 Minderheiten in China, leben etwa 36 in Yunnan. In unsere Provinz, im Nujiang Tal leben vor allem Lisu, die mit ca. 600.000 Menschen eine relativ kleine Minderheit darstellt. Außerdem leben hier Menschen die dem Bai-, Hui- und Nu- Volk angehören.

Unsere Hauptaufgabe besteht darin, den Kindern an den verschiedenen Schulen das Spoken English beizubringen. Englisch ermöglicht den Kindern eine bessere Zukunft, weswegen es so wichtig ist, dass die Kinder vernünftig Englisch lernen. Bildung ist der einzige Weg, der den Kindern zu einem höheren Lebensstandard verhelfen kann. Wir sind insgesamt in 4 Bezirken in der Nujiang Präfektur mit jeweils einem Schulpartner untergebracht.

Unter anderem arbeiten wir noch in sozialen Projekten, die größten Projekte an denen wir momentan arbeiten ist das Hygiene-, Kleider- und Streetkidsprojekt. Beim Hygieneprojekt sammeln wir Hygieneartikel. In einigen armen Bergdörfern in der Umgebung, haben die Kinder teilweise kein Geld für Zahnbürsten und Zahnpasta bzw. wissen gar nicht, wozu diese gut sind. Mit unseren Materialien fahren wir in solche Bergdörfer und zeigen den Kindern bspw.  wie man sich die Zähne putzt.

Beim Kleiderprojekt sammeln wir alte Kleidung und gebe diese an arme Bergdörfer weiter oder an die anliegenden Slums Liukus (六库). Das Baumhausprojekt hat es geschafft, im letzten Jahr die ersten beiden Altkleidercontainer Yunnans, wenn nicht sogar Chinas, aufzustellen.

Im Streetkidsprojekt geht es um die Kinder die in den Slums von Liuku (六库) leben. Da diese sehr arm sind und unter fast menschunwürdigen Verhältnissen leben, probieren wir so gut es geht und möglichst nachhaltig den Kindern und den Menschen dort zu helfen. Letztes Jahr haben wir es geschafft, dass zwölf Slumkinder eingebürgert werden und somit von der Schulpflicht erfasst werden. Außerdem vermitteln wir Paten in China und Deutschland, die eine Patenschaft übernehmen. Gerade für die Kinder im Slum ist es sehr wichtig, dass sie eine vernünftige Bildung erfahren, denn der einzige Weg aus den Slums heißt Bildung. Durch eine geeignete Schulbildung wird den Kindern der Weg zum chinesischen Arbeitsmarkt ermöglicht. Unser Hauptaugenmerk liegt darin, dass all unsere Projekte nachhaltig sind und möglichst wenig Geld in Anspruch nehmen.

Lucas Leben und Alltag als Englischlehrer in der chinesischen Bergregion Luzhang

Ich wohne in einem kleinen Dorf mit etwa 2000 Einwohner, namens Luzhang(鲁掌), das 2000m hoch oben in den Bergen liegt und ist etwa 35km von Liuku entfernt. Meine Schule ist die Luzhang Yi Zhong(鲁掌一中), also die erste Mittelschule Luzhangs. Die Schule hat etwa 800 Schüler und ca. 61 Lehrer. Die Schüler und Lehrer wohnen und leben alle an der Schule. Unterricht ist von morgens 8Uhr bis abends um 21.30Uhr. Momentan habe ich drei siebte Klassen, mit denen ich die richtige Aussprache der Englischen Wörter übe. Außerdem unterrichten meine Schulpartnerin und ich auch die Lehrer, damit sie ihr Spoken Englisch verbessern. In Luzhang gibt es eine Grundschule, in der wir schon einige Englischstunden besucht haben. Als wir das erste Mal in der Grundschule waren, haben sich die Grundschüler sehr gefreut. Für einige Kinder war es das erste Mal, dass sie einen Ausländer(老外) sahen.

In der Mittelschule freuen sich die Schüler, wenn man mit ihnen redet oder ihnen nur „Hello“ sagt. Das Englischniveau ist nicht besonders hoch, momentan lerne ich mit der siebten Klasse Wörter wie „jacket“, „ruler“ und „orange“ und die ersten Grundkenntnisse der englischen Sprache. Der Englischunterricht macht mir, wie auch den Schülern, sehr viel Spaß. In einer Klasse sind etwa 40 Schüler, meine größte Klasse umfasst 57 Schüler. Da in China die Schüler alle im Chor antworten, kann es schon mal sehr laut werden, wenn sie antworten.

Momentan planen wir gerade eine Kleiderverteilung in einem Dorf namens Zizhu (子竹) in den Bergen Nujiangs. Wir haben dazu die Kleider aus unseren Kleidercontainern gut sortiert und werden demnächst mit einigen Freiwilligen dort hinfahren.

Das Leben hier ist anders als in Deutschland. China ist hier in dieser Region noch ein Entwicklungsland, doch die Menschen sind sehr nett, offen und gastfreundlich. China ist ein Land der Gegensätze und das alles auf engsten Raum. In Liuku sieht man die reichen Grundschulkinder mit Handys und schicken Schuhen, neben den Slumkindern, die im Müll nach Essen und Plastikflaschen suchen. Die einen wohnen in Häusern aus Spanplatten und haben nur ihre Felder, die sie regelmäßig bestellen können, und die anderen wohnen in privaten Häuserblocks mit Tiefgarage für ihr großes Auto und haben einen Wachdienst. Ich persönlich war schon geschockt, als ich das erste Mal die Kinder im Müll wühlen sah, und gleichzeitig feststellen musste, dass weite Teile der Bevölkerung dies zu ignorieren scheint.

Mit meinem Chinesisch komme ich ganz gut zu Recht. Essen bestellen ist schon gar kein Problem mehr und einen kleinen Smalltalk kann ich auch schon führen. Wenn die Chinesen zu schnell oder Dialekt sprechen, dann verstehe ich kein Wort mehr, da werden sogar die Zahlen ein Hindernis.

Im Großen und Ganzem bin ich sehr zufrieden damit, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Natürlich musste ich meinen Lebensstandards verändern und die teilweise sehr eigenartige Mentalität der Chinesen respektieren, doch das gelingt momentan sehr gut. Ich bin sehr gespannt, was die nächsten Monate für Überraschungen und Abenteuer für mich bereithalten.

Liebe Grüße aus China

Luca Fröhlich

Für weitere Informationen :

Baumhaus: http://www.baumhaus-projekt.de/?lang=de

Jugend im Ausland: http://www.jugend-im-ausland.de/

Unseren Blog: http://madita-und-luca-in-luzhang.tumblr.com/

 

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